Arbeitskreis Wald

Bad Orb, im Februar 2016

Presseerklärung 

von Winfried Krämer Fraktionsvorsitzender der SPD Bad Orb zur Bewirtschaftung des Bad Orber Stadtwaldes

Die SPD Bad Orb war im Jahre 2005 maßgeblicher Mitinitiator des Wechsels in der Waldbewirtschaftung weg vom Staatsbetrieb Hessen-Forst hin zu einer Rekommunalisierung mit Bewirtschaftung des Stadtwaldes in Eigenregie der Stadt Bad Orb. Zum damaligen Zeitpunkt war unsere Stadt in einer Vorreiterrolle auf diesem Gebiet. Der Förster hat seinen Sitz heute direkt im Rathaus, er ist für jeden Bürger erreichbar und sein Handeln dient allein den Erfordernissen der Kommune. Die Ertragslage hat sich drastisch verbessert und im wirtschaftlichen Vergleich mit anderen Kommunalwäldern liegt Bad Orb auch aufgrund einer extrem schlanken Kostenstruktur ganz vorne. Viele andere Gemeinden sind seither dem Beispiel Bad Orbs gefolgt und nehmen die Bewirtschaftung ihres Waldvermögens in eigene Hände. Die fatalen Ergebnisse von Hessen-Forst in unmittelbarer Nachbarschaft zeigen die Beispiele im jüngsten Waldreport des BUND, www.bund.net/waldreport2016.

Doch auch in Bad Orb war es höchste Zeit für eine eingehende Bewertung des Waldzustandes. Als erste Konsequenz zur Verbesserung der Situation wurden Änderungen in der Bejagung mit einer Erhöhung der Abschusszahlen herbeigeführt, um das Vermögen aller Bad Orber Bürger, den Stadtwald, vor einer weiteren Entwertung durch die massiven Verbiss- und Schälschäden einer zu hohen Wildpopulation zu schützen. Das ist bisher auf Betreiben der SPD geschehen. Es haben sich bereits Verbesserungen bei der Verbiss- und Schälschadensbelastung eingestellt. Diese positiven Entwicklungen müssen weiter gesichert und vorangetrieben werden. Dafür wird sich die SPD auch nach der Kommunalwahl einsetzen. Diese Ziele können effektiv nur bei einer weiteren Bewirtschaftung des Stadtwaldes in eigener Regie mit angestelltem Forstpersonal verfolgt werden. Eine Rückkehr zu einer Bewirtschaftung durch den Staatsbetrieb Hessen-Forst wäre ein fataler Rückschritt ins vergangene Jahrhundert.

Die auf diesem Themengebiet von politischen Vertretern einer Fraktion in Bad Orb gelebte Rückwärtsgewandtheit ist destruktiv und dient einzig und allein Einzelinteressen und nicht dem Gemeinwohl, eine Politik, von der sich die SPD Bad Orb deutlich distanziert. Unser Wald ist wertvoller Erholungsraum, die Bürger müssen dort ungehindert ihre  Freizeit gestalten und sportlichen Aktivitäten nachgehen können. Eine Ausweitung der touristischen Nutzungsmöglichkeiten, auch auf dem Gebiet der Jagd, muss als weiteres Ziel verfolgt werden, um Bad Orb als Tourismusstandort weiter nach vorne zu bringen.

Wir stehen mit unserem Wahlprogramm auch in der kommenden Legislaturperiode für Landschaftspflege und Naturverjüngung, ohne Zaunbau und ohne den Einsatz von landschaftsverschandelnden Wuchshülsen. Den Klimaveränderungen muss auch im Wald aktiv begegnet werden, eine weitere große Herausforderung schon im Hier und Jetzt. Für die SPD wird es eine hohe politische Verpflichtung bleiben, das größte Bad Orber Vermögen auch nach tausendjährigem Besitz zu schützen und für künftige Generationen zu erhalten. Informationen auch unter spd-bad-orb.de/Arbeitskreis Stadtwald.

http://www.bund.net/waldreport2016

Aktuell:

BUND Waldreport 2016

Details zum Spessart s. Seite 10

 Arbeitskreis Orber Stadtwald gegründet

Am 28. März 2012 trafen sich erstmals einige Angehörige des SPD Ortsvereins Bad Orb, um eine Arbeitsgemeinschaft Orber Stadtwald zu gründen.

Anlass ist die gemeinsame Sorge um eine nachhaltige waldbauliche Nutzung des Stadtwaldes und die Aufrechterhaltung seiner Funktion als wichtiger Einnahmefaktor der Stadt sowie seiner großen Bedeutung für Ökologie und Naherholung.

Zielsetzung des Arbeitskreises soll das Anstoßen einer Diskussion der Bürgerschaft über die Zukunft des Orber Stadtwaldes sein. Es soll den Bad Orber Bürgern bewusst gemacht werden, dass der nun schon seit über 900 Jahren zu Orb gehörende Wald von großem wirtschaftlichem Wert ist, der unter allen Umständen zu wahren sei. Dabei spielen der Umbau zu einer naturnahen und kostengünstigeren Waldwirtschaft sowie die Neuorganisation der Jagd eine große Rolle.

Der Arbeitskreis plant eine öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung durchzuführen, um den verschiedenen Waldnutzern Gelegenheit zum Austausch und den Bürgern allgemein Gelegenheit zur Information zu geben.

Die Initiatoren sehen Bad Orb hier mal wieder am Scheideweg und wünschen sich, dass sich Bürger, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung verantwortungsvoll der Thematik stellen.

Ulrich Hofacker, Winfried Krämer, Jörg Halterbeck, Stefan Brand (es fehlt Jürgen Rieger)

 

Waldvergleich hessischer und bayrischer Spessart

Die Bad Orber SPD hat die Entwicklung der Wildschadensituation in Bad Orb und dem hessischen Spessart weiterhin im Blickfeld. Um sich ein aktuelles Bild zu machen, haben die Sozialdemokraten ihren Landtagsageordneten und forstpolitischen Sprecher der Landtagsfraktion Heinz Lotz zu einem vergleichenden Waldbegang in den an den Bad Orber Stadtwald angrenzenden Spessart eingeladen. Eine Gruppe von Interessierten machte sich zusammen mit Heinz Lotz auf den Weg in einen Schadensbrennpunkt im Forstamt Jossgrund.

Unter fachkundiger Führung des pensionierten Försters Endrik Sonneborn wurde ein Waldstück nahe dem Jossgrunder Ortsteil Oberndorf besichtigt. „Zuerst wird mit enormem Aufwand, traditionell mit Zaun und allem Drum und Dran aufgeforstet, über Jahre gepflegt, und jetzt sind die jungen Baumbestände flächendeckend verbissen, geschält und zusammengebrochen, ein Totalausfall! Der Zustand des Waldgebietes ist erschreckend“ stellten die Teilnehmer fest. “Unglaublich“ so auch die Feststellung von Heinz Lotz.

Auch der Einfluss von Wildwiesen als Äsungsflächen für den umliegenden Baumbestand und die erforderliche Naturverjüngung wurde von der Gruppe um Heinz Lotz in Augenschein genommen. Durch die maßlos überhöhten Wildbestände und deren Auswirkungen entstehen für den hessischen Steuerzahler – nach überzeugender Darlegung von Endrik Sonneborn -Schäden in zweistelliger Millionenhöhe.

Sichtlich schockiert und fassungslos von der vorgefunden Situation ist die Gruppe unter der Führung Sonneborns wenige Kilometer weiter gefahren zum nächsten Ziel der Besichtigungen – kurz hinter die Landesgrenze Richtung Aura in Bayern.

Der Landtag in Bayern hat schon vor ein paar Jahren die bayerische Verfassung angepasst und dem Schutz des Ökosystems Wald einen Vorrang vor jagdlichen Interessen gegeben. Die Auswirkung der Gesetzgebung auf die Waldvegetation nach wenigen Jahren hat die Gruppe überrascht. „Das ist ja ein ganz anderer Wald“ war die einstimmige Feststellung.

Neben mannshohen, wild aufwachsenden Eichen und Weißtannen am Wegesrand und anderen im hessischen Spessart seltenen Baumarten in der Naturverjüngung waren die Teilnehmer überrascht von der Vielzahl der Grüntöne, die die Natur zu bieten hat, im Vergleich zur fatalen Waldsituation um Oberndorf. „Einzig und allein die Gesetzesänderung und die dadurch angepassten Wildbestände sind für diese unglaubliche Dynamik verantwortlich.“ erläuterte Sonneborn.

Die vorgefundenen Verhältnisse bestätigen Winfried Krämer, Fraktionschef der SPD-Faktion im Bad Orber Stadtparlament, in seiner klaren Position zur Bewirtschaftung des Bad Orber Stadtwaldes: „Man sieht ganz deutlich, dass ohne kostspielige Schutzmaßnahmen, allein durch angepasste Wildbestände, das Ökosystem Wald ein riesiges Regenerationspotenzial hat. Wir werden unsere sehr intensive inhaltliche Auseinandersetzung zu Wald und Jagd in der SPD fortsetzen und die erfolgreiche Arbeit unseres Stadtförsters Armin Desch weiterhin unterstützend politisch begleiten “, so Winfried Krämer.

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Heinz Lotz, forstpolitischer Sprecher der SPD im Hessischen Landtag, macht sich ein Bild von der Waldsituation im Hessischen und Bayrischen Spessart

 

Akteneinsicht zur Waldbewirtschaftung abgeschlossen

SPD distanziert sich von Alfred Paliges Bericht und Mehrkosten für Vier-Augen-Prinzip beim Holzverkauf

Nach über einem Jahr seit Antrag der CDU Fraktion auf Akteneinsicht zur Waldbewirtschaftung lag der Abschlussbericht von Alfred Palige (CDU) in der Septembersitzung der Stadtverordneten vor und wurde vom Parlament angenommen – ohne die Stimmen der SPD. Hierzu nimmt die SPD Stellung:

„Stadtförster Armin Desch setzt sich mit Weitsicht und großem persönlichen Engagement für den Stadtwald ein. Die SPD Fraktion sah zu keinem Zeitpunkt eine Notwendigkeit, die Arbeit im Bereich Stadtwald mittels Akteneinsichtenausschuss zu hinterfragen. Die Ergebnisse der Waldbewirtschaftung können sich sehen lassen – im Kennzahlenvergleich im regelmäßigen Benchmark der kommunalen Forstbetriebe steht die Stadt Bad Orb ganz vorne.

Im Ergebnis von Paliges Bericht wird – ohne die Stimmen der SPD – der Magistrat beauftragt, ein Vier-Augen-Prinzip beim Holzverkauf einzuführen, Kostenaufwand bis zu 500 Euro monatlich. Dazu sei angemerkt, dass bereits nach einem Sechs-Augen-Prinzip gearbeitet wird, die nun geforderte Variante kostspielig ist und praktisch keine wirkliche Verbesserung darstellen kann. Ein Vergleich: Hessenweit sind seither an die zehn Kommunen aus der Bewirtschaftung durch Hessen-Forst ausgeschieden und bewirtschaften ihren Wald in Eigenregie. In diesen Kommunen wird beim Holzverkauf ein „Mehraugenprinzip“ angewandt, zum Schutze des Personals – wie dies auch bereits in Bad Orb durch Bürgermeisterin und Magistrat sichergestellt ist. Das nun von den Stadtverordneten der CDU und FWG Fraktion geforderte Vier-Augen-Prinzip kann daher nur andere Absichten verfolgen, etwa die Beschäftigung eines Externen. Fazit: wir generieren zusätzliches Personal und damit neue, bisher nie da gewesene Kosten.

In Frage gestellt wurde in Paliges Bericht auch die Arbeit des Forstberaters Christian von Bethmann, der zwischenzeitlich seinen Beratervertrag mit der Stadt Bad Orb aufkündigte. Bethmann wurde zur laufenden Jagddebatte von der Rathausspitze immer seltener eingeladen, trotz bestehenden Vertrages und den jährlichen Honorarkosten von 2000 Euro. Nach Ansicht der SPD hat Christian von Bethmann mit seiner weitsichtigen Strategie zur Waldbewirtschaftung eine hervorragende Basis für Bad Orb geschaffen – die Weichen hierzu stellte der ehemalige Bürgermeister Wolfgang Storck. Vorausschauend hatte Storck den Stadtwald von der Beförsterung durch Hessen-Forst in die bis heute erfolgreiche und personalsparende Eigenbeförsterung überführt. Bethmann hat maßgeblich dazu beigetragen, die Grundlagen für die naturgemäße Waldbewirtschaftung in Bad Orb zu schaffen – er setzt auf Naturverjüngung ohne kostspieligen Zaunbau unter der Voraussetzung angepasster Wildbestände. Dabei hat der Forstberater auch die Vorteile einer kommunal gesteuerten Regiejagd in Bad Orb vertreten und diese mehrfach angeraten – unpopulär für die Interessensgruppe der Jagdpächter.

Wir bedauern, dass Bürgermeisterin Helga Uhl von seiner fachlichen Beratung zusehends weniger Gebrauch machte und danken Christian von Bethmann für die vielen Jahre der freundlichen und ergebnisreichen Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Orb. Bedauerlich ist, dass gerade die von dem qualifizierten Forstberater angeratenen und notwendigen Veränderungen in der Jagdstrategie nicht umgesetzt wurden. Das Kernproblem, die Anpassung der Wildbestände auf ein waldverträgliches Maß, ist nicht gelöst. Entgegen dem Veränderungswillen der SPD wurden die traditionellen Jagdpachtverträge verlängert und damit der Kommune eigene Steuerungsmöglichkeiten auf weitere Jahre genommen. “

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SPD mit Vertretern der Presse und Forsteinrichter Peter Bachmann im Stadtwald „Ein erschreckendes Ausmaß an Schälschäden“

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Jagdverpachtung – ein Zukunftsmodell ?

Der Orber Stadtwald ist in fünf große Jagdreviere aufgeteilt und seit über 150 Jahren verpachtet. Die derzeitigen Pachtverträge enden im März 2013. Das Resultat der  Waldwirtschaft mit Jagdverpachtung ist katastrophal. Bad Orb und der gesamte Spessart sind hessenweit bei 70 bis 80 Prozent wildgeschädigter Bäume in Spitzenposition (*).

Kürzlich wurden Bürgermeisterin, Magistrat und Stadtverordnete zu einer Informationsveranstaltung des Bad Orber Hegerings eingeladen. Der Staatsbetrieb  Hessen-Forst stellte seine Waldbewirtschaftung vor. Interessant dabei, dass Hessen-Forst nur einen Bruchteil seiner Waldflächen verpachtet. Auf rund 240.000 ha führt Hessen-Forst selbst Regie über die Jagd und kontrolliert damit Wildbestände in den wertvollen Flächen. Hessen-Forst bietet seinen Jagdgästen vielfältige Jagdmöglichkeiten.

Seit vielen Jahren schwelt ein Konflikt im Stadtwald zwischen dem Waldbewirtschafter Stadt Bad Orb und den Jagdpächtern. Die städtische Waldbewirtschaftung setzt auf natürliche Verjüngungskraft der Baumarten und verzichtet auf kostspieligen Zaunbau.  Ziel ist ein gesunder Baumbestand, robust gegen Stürme und Käferbefall. Jeder Wildverbiss ist ein unwiederbringlicher Vermögensschaden. Der Jagdpächter hingegen strebt möglichst hohe Wildbestände an, da diese ihm eine reiche Auswahl an schönen Trophäen bieten. Schäl- und Verbissschäden werden mit einer Pauschale abgegolten.

Naturgemäß reguliert das Nahrungsangebot im Wald die Wildpopulation. Doch das Gleichgewicht ist gestört durch künstlich angelegte Waldwiesen, landwirtschaftliche Flächen und winterliche Fütterung. Das Überangebot an Nahrung führte zu enorm gestiegenem Wildbestand. Im nahrungsarmen Winter lebt viel mehr Wild im Wald als dieser ernähren kann, was zu Verbiss- und Schälschäden in den jungen Baumkulturen führt.

Verpachtet die Stadt Bad Orb das Jagdrecht an ihrem Wald weiter, so nimmt sie wissentlich und billigend in Kauf, dass die Wildbestände künstlich erhöht bleiben – Vermögensschäden für  Generationen. Selbst intelligente Jagdpachtverträge bieten keine Lösung. Zahlreiche veröffentlichte Konflikte, Gerichtsprozesse und mediale Auseinandersetzungen belegen dies. Bürgermeisterin und Magistrat stehen jetzt in entscheidender Verantwortung, die Jagd neu zu organisieren und damit weitere Vermögensschäden abzuwenden. Ein drohender Verkauf des Stadtwaldes kann nur durch eine  nach allen Gesichtspunkten betriebswirtschaftliche Ausrichtung verhindert werden

Würde die Stadt Bad Orb die Jagd wie der Staatsbetrieb Hessen-Forst in Eigenregie durchführen, könnte sie ihre  waldbaulichen Ziele durch eine engagierte lokale Jägerschaft umsetzen. Örtliche Jäger könnten durch preisgünstige Jagdgelegenheiten („Begehungsscheine“), attraktive Bonussysteme, die nochmals die Jagdbeiträge senken,  motiviert werden, Jagdgäste würden die Infrastruktur von Bad Orb beleben. Der SPD Arbeitskreis Stadtwald: „Wir sehen eine Chance für den Stadtwald und die örtlichen Jäger. Wer kann sich in der heutigen Zeit schon auf 10 Jahre Pachtzeit vertraglich binden? Vielleicht hilft die Nachfrage von Interessenten aus der Jägerschaft an die Stadt, die überholte Tradition der Jagdpacht in eine attraktive Form der Regiejagd mit vielfältigen Jagdmöglichkeiten umzustellen.“.

Ein Zustand, wie er im Bad Orber Stadtwald auch großflächig anzutreffen ist

 

(*) Quelle:

Hess. Landtag: DRS 18/3825 – Wildschadenssituation in Hessen

Antwort der Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 28.04.2011 auf eine Anfrage der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betreffend Wildschadenssituation in Hessen

 

SPD Arbeitskreis Stadtwald zur Bewirtschaftung des Bad Orber Waldes

Der Arbeitskreis Stadtwald hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Bad Orber Wald, ein Wald der Bürger, in seiner hohen Wertigkeit  genauer zu betrachten. Zu Recht spricht man von einem Wirtschaftswald. Der Bad Orber Wald ist mit seiner Ertragskraft die größte Einnahmequelle aus städtischem Vermögen.

Im Jahre 2005 hat die Stadt Bad Orb das Bewirtschaftungssystem ihres Waldes von der konventionellen Forstwirtschaft zur „naturgemäßen Waldwirtschaft“ umgestellt – ein seither angewandtes Konzept, bei dem Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Naherholungswert in Einklang stehen.  „Naturgemäße Waldwirtschaft“ zielt darauf ab, durch planvolle Einbindung aller natürlichen Dynamiken eines Waldökosystems, bei gleichzeitiger Nutzung von Holz als Rohstoff, einen möglichst geringen Investitionsaufwand für den Regenerationsprozess (Verjüngung) und dabei die Schaffung stabiler Waldstrukturen auszulösen. Jeder aufmerksame Waldbesucher wird entdecken, dass Zäune und Wuchshüllen für Bäume,  wie sie im nahegelegenen Staatsforst häufig anzutreffen sind, im Bad Orber Stadtwald keine Anwendung finden. Sogenannte „Stangenwälder“, dichte Fichtenanpflanzungen, sollen den Wald nicht verdunkeln.  Ein lichtdurchfluteter Mischwald und eine vielseitige Vegetation prägen schon heute Großteile des Bad Orber Stadtwaldes.

Die Renaturierung von Moorlandschaften,  in ehrenamtlicher Handarbeit mit örtlichen Vereinen wie der Natur- und Vogelschutzgruppe, beispielhaft an dem Feuchtgebiet „Eschenkahr“  zu beobachten, ist  ein Projekt  im Rahmen des  Bad Orber Waldwirtschaftskonzeptes unter Regie des Stadtförsters .  „Aktiv im Spessart“ , mit diesem Slogan will die Kurstadt ihren Gästen ein besonderes Angebot offerieren, wozu wechselnde Landschaften zu Outdoor-Aktivitäten wie auch zu imposanten Naturerfahrungen einladen sollen.  Kur und Tourismus sowie die gesamte Infrastruktur von Bad Orb sind eng mit dem Wald verbunden.

Der Arbeitskreis setzt sich derzeit auch mit den Erfahrungen aus anderen Waldwirtschaftmodellen  auseinander. Was veranlasst hierzu, wenn das angewandte Konzept  nicht infrage steht ?  Die Wildbewirtschaftung ist zentraler Bestandteil der Waldbewirtschaftung. Voraussetzung für das Gelingen einer naturgemäßen Waldwirtschaft sind an den Lebensraum angepasste Wildbestände. Damit lassen sich  Kosten für Pflanzung, Wildschutzmaßnahmen (Zäune, Wuchshüllen) und Wildschäden wie Verbiss, Schälschäden und Schwarzwildschäden auf Grünflächen weitgehend vermeiden. Die extrem hohen,  unnatürlichen Wilddichten im Spessart führen zu Wildschäden, deren Höhe den Haushalt der Stadt wiederum extrem belasten, da  die Folgekosten die Einnahmen durch die derzeitige Jagdverpachtung um ein Vielfaches überschreiten. Kapital, das der Stadt für wichtige Investitionen fehlt – ohne die nicht zu beziffernden Schäden der schlechten Holzqualität für die Folgegenerationen, für die wir Verantwortung tragen.

Schon heute ist absehbar, dass künftige Generationen aufgrund der bisherigen massiven Wildschäden Einnahmeverluste von mehreren Hunderttausend Euro hinnehmen müssen. Waldverträgliche Wildbestände sind eine Grundlage für das Funktionieren des natürlichen Kreislaufes. Wie kann man diesen ins Gleichgewicht  bringen? Bisher nicht erwähnt die wichtige Funktion der Jagd als Dienstleistung mit hohem Stellenwert für den Waldeigentümer. Die Stadt Bad Orb ist in der guten  Situation,  mit Ablauf der Jagdpachtverträge im Jahre 2013 die Weichen neu zu stellen. Zielsetzung ist, die Jagd  mit Wirtschaftlichkeit und Ökologie in Einklang zu bringen.  Der Arbeitskreis setzt hier auf den wirtschaftlichen Sachverstand der Orber Bürgerschaft und hofft auf eine breite öffentliche Diskussion über die Zukunft unseres Stadtwaldes.

… es geht auch ohne

 

Der Orber Wald im Wandel der Zeiten

SPD Arbeitskreis Stadtwald zur Geschichte der Forstwirtschaft

Der Orber Stadtwald mit seiner heutigen Fläche von 2280 Hektar unterliegt seit über 1000 Jahren einer wirtschaftlichen Nutzung, die lange Zeit eine wichtige Grundlage für den Lebensunterhalt der Orber Bevölkerung war. Grund genug, sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen.

1059 verlieh König Heinrich IV. dem Kloster Fulda den Wildbann auf einen Forst im Spessart. Die Beschreibung der Grenzen erfolgte anhand der Bäche und Flüsse.( „….dehinc in fluvium Elehenbach et sic in Orbaha et per litus Orbaha ..“). 1064 schenkt er den Ort Orbaha an Kurmainz, was bis 1803 so blieb. Der Orber Gemeindewald bestand im Mittelalter aus reinem Niederwald, in dem der Stockausschlag von Hainbuchen und Eichen in einem Umtrieb von 25- 30 Jahren bewirtschaftet wurde. Da es noch keine ausgeprägte Grünlandflächennutzung gab, wurde das Vieh im Sommer und Herbst von den Bauern zum Mästen in den Wald getrieben, wo hauptsächlich Ziegen die Vegetation stark verbissen. Das Laub rechte man zusammen und streute es in die Ställe und im Sommer wurden Äste geschnitten, um Laubheu als Futter für das Vieh zu gewinnen. Auf großer Fläche wurde auch Wald-Feldbau betrieben, den man im Spessart „Röderbau“ nannte. Im Niederwald wurde nach dem Einschlagen des Holzes für ein bis zwei Perioden Getreide, meist Buchweizen, ausgesät. Diese über Jahrhunderte ausgeübte Waldnutzung bewirkte auch in Orb eine Verlichtung des Waldes, was dazu führte, dass Brenn- und Bauholz nicht mehr in genügendem Maße zur Verfügung stand. Aus dieser Holznot heraus entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert die moderne Forstwirtschaft mit der systematischen Begründung und Pflege von Hochwaldbeständen. Man baute vor allem anspruchslosere, schnell wachsende und Holzmasse liefernde Nadelbaumarten wie Fichte und Kiefer an, um auch nachfolgenden Generationen einen ertragreichen Wald sicherzustellen.

Ohne den reichen Waldbesitz rund um den Orbbach wäre allerdings die Salzgewinnung als der über Jahrhunderte bedeutendste wirtschaftliche Einnahmefaktor über viele Notzeiten hinweg nicht möglich gewesen. Neben Holz in Form von Balken für den Salinenbau sowie abgelagerten Scheiten und Astbündeln für die  Befeuerung der Sudpfannen benötigte man auch große Mengen an Schwarzdornzweigen, an denen das salzige Wasser in den Gradierwerken entlang rinnt.. Durch den Mangel an Hochwaldbeständen war man jedoch über lange Jahre gezwungen, aus den Gemeinden der Umgebung höherwertiges Bauholz zuzukaufen.

In die bayerische Zeit von 1816 bis 1866 fielen in Orb der Niedergang der Salzgewinnung und dadurch verstärkt beschäftigungspolitische Maßnahmen, um die bittere Armut der Bevölkerung zu mildern. Dazu zählten Aufforstungsprogramme auf den Niederwaldflächen. Man spricht von Kiefern- und Fichten- „Anbauwellen“. Daneben sollten weitere Erwerbsquellen geschaffen werden. Z.B. wurden im Stadtwald hunderte von Kohlplatten in die Hänge gegraben. Dort verkohlte man vor allem das Reisig und lieferte es an die umliegenden Eisenhämmer und auch nach Bieber zur Verhüttung der Erze. Relikte dieser Aufforstungsprogramme findet man noch im Stadtwald in Form von 150 – 200 jährigen Nadelbäumen.

Einige werden sich noch an die Bilder und Erzählungen von Eltern und Großeltern erinnern, als nach dem ersten Weltkrieg große Mengen Grubenholz für den Bergbau im Stadtwald geschlagen wurden. Dies wurde nur durch die Aufforstungsmaßnahmen, die 100 Jahre zuvor begannen, möglich. Daran erkennt man: Entscheidungen von heute zeigen im Wald erst Generationen später ihre Auswirkungen.

Durch die bürgerliche Revolution von 1848 ergaben sich auch für die Orber und ihren Stadtwald neue Perspektiven. Die Jagd war nicht mehr das Vorrecht des Adels. Die Orber hatten das Jagdrecht in ihrem Wald erhalten und konnten dieses verpachten. 1861 wurde die Orber Jagd an die von wohlhabenden Frankfurter Geschäftsleuten gegründete Orber Jagdgesellschaft verpachtet. 1907 baute die Jagdgesellschaft ein Jagdhaus im hinteren Haseltal, welches uns als Waldgaststätte Jagdhaus Haselruh bekannt ist. Diese Jagdpächter erwiesen sich über viele Jahre als Förderer der aufstrebenden Kurstadt.

Mit dem Aufstieg Bad Orbs als Kurort änderte sich der Anspruch an den Wald. Er diente jetzt nicht mehr ausschließlich der Energiegewinnung sondern als Ort der Erholung für die Kurgäste. Die Holznutzung spielte nur noch eine untergeordnete Rolle und Wege wurden als Spazier- und Wanderwege gepflegt. Allerorten wurden an Sichtachsen Sitzbänke aufgestellt, die dem Wanderer den Blick auf das Orbtal ermöglichen sollten.

In den 1950er Jahren erfolgte die Aufforstung ehemals landwirtschaftlich genutzter Hangflächen mit Fichtenkulturen. Durch diese Aufforstungsmaßnahmen nahm die Waldfläche stark zu.

In der Chronik bedeutend sind bis heute größere Flächeneinbußen in den Jahren 1912/13. Teile des Stadtwaldes mussten zwangsweise an den Staat verkauft werden, da die Gemarkung Lettgenbrunn und Villbach zu einem Truppenübungsplatz des kaiserlichen Heeres umgewidmet wurden. Durch diesen Zwangsverkauf verlor die Stadt nicht nur 1149 ha Wald, sondern dann in den 1920ern durch die ausufernde Inflation auch das komplette nach dem Verkauf angelegte Geld. Aus heutiger Sicht wären diese unwiederbringlich verlorenen Flächen zur modernen Energiegewinnung als Standort für Windkraftanlagen hochinteressant.

Hier spannt sich der Bogen wieder zurück in die heutige Zeit: Immer wieder kommt das Gespräch über einen möglichen Verkauf des Stadtwaldes zur Schuldentilgung auf. „Die Erfahrungen aus der Bad Orber Geschichte lehren uns die Bedeutung des Stadtwaldes. Es ist zu hoffen, dass der Bevölkerung das  wirtschaftliche Potenzial ihres Waldes – auch für zukünftige Generationen – bewusst ist und man sich einer alten Weisheit erinnert, die besagt, dass das Holz aus Waldbesitz ein Notgroschen für schlechte Zeiten sei“ so das Fazit der Mitglieder des Arbeitskreises Stadtwald.

(Archiv: H. Bangert)

 

Zukunft gestalten im Kommunalwald

Acht Thesen zu gemeinsamen Perspektiven und Herausforderungen

Herausgegeben von NABU und dem deutschen Städte- und Gemeindebund

These 1

Der Kommunalwald ist als wertvoller Vermögensbestandteil zu erhalten.

Er ist bürgernah und ein Beispiel für Anteilnahme und stetige Beteiligung der lokalen Bevölkerung.

Seine nachhaltige, naturnahe Bewirtschaftung kann ein Modell für den verantwortungsbewussten Umgang mit natürlichen Ressourcen,

auch im Sinne der Generationengerechtigkeit, sein.

Begründung:

Vielerorts besteht eine besonders enge Verbindung der Kommunen und der Bevölkerung zu ihrem

Wald. Der Spardruck auf die öffentlichen Haushalte wird am Kommunalwald jedoch nicht unbemerkt

vorbei gehen. Bereits heute stehen viele Kommunen vor der Herausforderung, steigende Ausgaben für

Infrastruktur und Soziales mit sinkenden Steuereinnahmen zu vereinbaren. Einige Kommunen denken

darüber nach, mit dem Verkauf ihres Kommunalwaldes kurzfristig Haushaltsdefizite zu decken. Damit

würden die Perspektiven und die Gestaltungsspielräume, die mit dem eigenen Waldbesitz verbunden

sind, für zukünftige Generationen eingeschränkt.

In Zukunft wird es darauf ankommen, v.a. die jüngere Generation für den Wald als Lebensraum,

Wirtschaftsfaktor und als Ort der Naturerfahrung zu begeistern. Kommunale Forstbetriebe können

durch Umweltbildung, Naturpädagogik und Angebote im Bereich der Bildung für nachhaltige

Entwicklung dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

These 2

Im Kommunalwald gelten die Grundprinzipien der Selbstverwaltung und der Selbstverantwortung.

Der Gemeinderat bestimmt die Ziele für den Kommunalwald. An diesen Zielen richtet sich auch die

Bewertung des betrieblichen Erfolgs aus.

Begründung:

Die gewählten Repräsentanten in den Stadt- und Gemeinderäte sind in ihren Entscheidungen über den

Kommunalwald im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben souverän und können eigene Schwerpunkte für

dessen Nutzung festlegen. Der Erfolg des Kommunalwaldes definiert sich damit nicht allein über die

betriebswirtschaftlichen Ergebnisse des jeweiligen Forstbetriebs im Bereich der Rohstoffproduktion, sondern

auch über die erreichten individuellen Ziele der Gemeinde in den Bereichen Ökologie und Soziales.

Mit rund einem Fünftel der Waldfläche in Deutschland sind Städte und Gemeinden

bedeutende Waldbesitzer. Ihnen kommt beim Schutz der biologischen

Vielfalt eine besondere Rolle zu. Gleichzeitig sind Kommunalwälder auch ein

wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dies gilt vor allem für Gemeinden in ländlichen

Regionen. In städtischen Gebieten erfüllen sie darüber hinaus wichtige

soziale Funktionen. Viele Kommunen stehen in den kommenden Jahren

jedoch vor großen Herausforderungen: Demografischer Wandel, hohe

Verschuldung und steigende Ausgaben für Infrastruktur und Soziales führen

zu einem enormen Rationalisierungsdruck. Gleichzeitig wachsen auch die

gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald als Ort der Erholung, als Lebensraum

für Tiere und Pflanzen und als Rohstoff- und Energielieferant. Vor dem

Hintergrund dieser Herausforderungen formulieren der NABU und der Gemeinsame

Forstausschuss „Deutscher Kommunalwald“ acht gemeinsame Thesen.

These 3

Der Kommunalwald ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Dieses Gemeinwohl hat eine ökologische, eine

soziale und eine ökonomische Dimension. Es bleibt die zentrale Aufgabe der kommunalen Entscheidungsträger

auch in schwierigen Zeiten einen ausgewogenen Ausgleich zwischen diesen drei Dimensionen

herzustellen.

Begründung:

Die Landeswaldgesetze sehen im Regelfall eine gestaffelte Gemeinwohlverpflichtung der Waldeigentumsarten

vor. Danach dient der Staatswald dem Gemeinwohl in besonderem Maße, der Kommunalwald ist

dem Gemeinwohl verpflichtet. Insoweit steht der Kommunalwald dem Staatswald nahe. Vergleichbar mit

privaten Waldeigentümern muss die Waldbewirtschaftung für die einzelne Kommune zu wirtschaftlich

vertretbaren Ergebnissen führen. Dies gilt insbesondere für kleinere Städte und Gemeinden im ländlichen

Raum, deren Forsthaushalte einen wesentlichen Anteil am Gesamthaushalt ausmachen.

Die wachsende Anzahl an Wald-Friedhöfen, Waldkindergärten, Sportevents, Urwaldpfaden oder waldpädagogischen

Angeboten zeigt, dass die Bedeutung des Waldes nicht nur als Rohstofflieferant, sondern

auch als Ort der Erholung, der Bildung und der seelischen Erbauung zunimmt. Die Rahmenbedingungen

sind in Zukunft insgesamt so zu gestalten, dass auch die ökosystemaren Leistungen des Waldes

für Biodiversität und Ressourcenschutz sowie die ökosozialen Leistungen im Bereich Naturerfahrung

und Naturpädagogik ökonomisch in Wert gesetzt werden können. Dies erleichtert es den Kommunen,

erbrachte Leistungen in diesen Bereichen auch finanziell zu vertreten.

These 4

Der naturnahe Waldbau ist derzeit die geeignetste Strategie, die unterschiedlichen Anforderungen an

den Kommunalwald zu erfüllen. Der Umbau der Wälder hin zu strukturreichen Laubmischwäldern

muss deshalb, auch als Risikovorsorge im Klimawandel, weiter vorangetrieben werden. Die Ziele des

Waldnaturschutzes lassen sich überwiegend in die naturnahe Waldbewirtschaftung integrieren. Zum

Schutz und zur Erhaltung von Lebensräumen und Arten, die an die natürliche Zerfallsphase von Wäldern

gebunden sind, bedarf es auch ungenutzter Waldflächen. Es ist die Herausforderung der nächsten

Jahre, den notwendigen Umfang und die Verteilung dieser Waldflächen genau zu bestimmen.

Begründung:

Der naturnahe Waldbau orientiert sich an den natürlichen Waldgesellschaften des jeweiligen Standorts

und nutzt die Fähigkeit der Waldökosysteme zur Selbstorganisation. Diese sogenannte „biologische

Automation“ ermöglicht eine kosteneffiziente und vergleichsweise störungsarme Waldbewirtschaftung

und fördert die Stabilität und Anpassungsfähigkeit der Waldbestände gegenüber Witterungsextremen

und Umweltveränderungen.

Um die Ziele des Natur- und Artenschutzes im Wald zu erreichen ist ein differenziertes und zugleich

effizientes Konzept, das sowohl integrative als auch segregative Naturschutzelemente enthält, notwendig.

Uneinigkeit besteht darin, in welchem Umfang und in welcher räumlichen Verteilung einzelne Waldbestände

(segregativ) aus der forstlichen Nutzung genommen werden müssen, um die zu unseren

heimischen Wäldern gehörende Vielfalt an Genen, Arten und Lebensräumen (Biodiversität) langfristig

zu sichern. Hier besteht weiterer Forschungs- und Diskussionsbedarf. Einigkeit besteht jedoch darin,

dass Kommunen selbst darüber entscheiden, ob sie zusätzlich zu den gesetzlichen Mindestanforderungen

weitere Leistungen im Bereich des Naturschutzes erbringen oder sogar Teile ihres Waldes gänzlich aus

der Nutzung nehmen.

These 5

Die wachsenden gesellschaftlichen Anforderungen an die Gemeinwohlleistungen des Kommunalwaldes

erfordern die konsequente Anwendung des Konnexitätsprinzips. Im Bereich des Natur- und Artenschutzes

gilt dies insbesondere für die Umsetzung von Natura 2000. Gerade kleine, ländliche Gemeinden

sind hierbei auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Deshalb muss der Kommunalwald zukünftig

bei der EU-Mitfinanzierung des Managements von Natura 2000 als Förderpartner im EU-Budget

2014-2020 berücksichtigt werden Zusätzliche Leistungen, welche die Kommunen über die gesetzlichen

Verpflichtungen hinausgehend erbringen, sollen auch verstärkt über Instrumente wie Vertragsnaturschutz

und Ökokonto honoriert werden.

Begründung:

Nach dem Grundsatz „Wer bestellt, bezahlt“ ist mit einer Aufgabenübertragung auf die Kommunen auch

die Finanzierung sicherzustellen. Für die FFH- und Vogelschutzgebiete, die zu einem nennenswerten

Teil aus Kommunalwald bestehen, sollen Managementpläne die erforderlichen Erhaltungs- und Entwicklungs-

maßnahmen festlegen. Diese sind für die Städte und Gemeinden nicht selten mit Bewirtschaftungseinschränkungen

und erhöhten Anforderungen verbunden. Ein wirksames Management der

Natura 2000-Gebiete ist jedoch ganz entscheidend, um die EU-Ziele zum Stopp und zur Umkehrung des

Biodiversitätsverlustes bis 2020 zu erreichen. Die EU unterstrich erst kürzlich die Notwendigkeit einer

merklichen Erhöhung der Investitionen für das Management von Natura 2000. Im Rahmen des zukünftigen

EU-Budgets 2014-2020 müssen die Mitgliedstaaten auch den Kommunalwald in die Förderung von

Naturschutzmaßnahmen in Natura 2000-Gebieten einbeziehen und damit einen weiteren entscheidenden

Beitrag zur Sicherung der Schutzgebiete leisten. Kommunen die aufgrund ihrer Vorbildfunktuion in

der Vergangenheit ökologisch wertvolle Wälder im Sinne von Natura 2000 etabliert haben, dürfen durch

dieses Engagement nicht schlechter gestellt werden.

These 6

Gravierende und fortwährende Wildschäden gefährden unvermindert die nachhaltige, naturnahe

Bewirtschaftung des Waldes und führen bei kommunalen Waldbesitzern zu erheblichen finanziellen

Mehraufwendungen und Mindererträgen. Darüber hinaus stehen sie auch im Widerspruch zu jagdgesetzlichen

Vorgaben. Defizite im Vollzug bestehender gesetzlicher Vorgaben sind abzubauen, aber

auch Weiterentwicklungen im Jagdrecht sind erforderlich.

Begründung:

Die natürliche Verjüngung von Waldbeständen und ein stufiger Aufbau von naturnahen Mischwäldern

sind vielerorts nur mit kostenintensiven Schutzmaßnahmen möglich. Die gesetzlichen Vorgaben des

Jagdrechts besagen hingegen, dass die Wilddichte durch die Ausübung der Jagd auf einem waldverträglichen

Niveau gehalten werden muss. Im Konfliktfall haben die Belange der Waldbewirtschaftung

Vorrang vor den Belangen der Jagd.

These 7

Kommunalwälder leisten einen wichtigen Beitrag zur Holzversorgung und zur Energiewende. Der

Ausbau erneuerbarer Energien in und aus dem Wald muss jedoch umsichtig erfolgen, um negative

Nebeneffekte zu vermeiden.

Begründung:

Der Kommunalwald hat wesentlichen Anteil an der Produktion im Cluster Forst und Holz und trägt

damit insbesondere im ländlichen Raum zur Wertschöpfung bei. Durch Holz werden energieintensive

Baustoffe wie Stahl, Beton oder Aluminium ersetzt und der im Holz gespeicherte Kohlenstoff gebunden.

Holz ist jedoch kein unbegrenzt verfügbarer Rohstoff. Er muss deshalb nicht nur nachhaltig produziert,

sondern auch intelligent eingesetzt werden. Im Sinne einer effizienten Kreislaufwirtschaft ist eine

Kaskadennutzung (erst stofflich, dann energetisch) grundsätzlich anzustreben.

Neben der stofflichen Nutzung ist Holz in Deutschland derzeit auch die wichtigste erneuerbare Energiequelle

(noch vor Wind und Sonne) und leistet vor allem im Bereich der Wärmeversorgung in Form von

Scheitholz, Hackschnitzeln oder Holzpellets einen Beitrag zur Energiewende. Um das positive Image des

Rohstoffs Holz zu erhalten, muss energetisch genutztes Holz nachhaltig produziert werden.

Wälder können auch als Standorte für Windkraftanlagen einen Beitrag zu Energiewende leisten. Für

Kommunen besteht hierdurch die Möglichkeit zusätzlicher Einnahmen. Als zielführend für die Suche

nach geeigneten Standorten erweisen sich klare Kriterienkataloge und Planungen, bei denen nicht nur

die Windhöffigkeit, sondern auch wichtige naturschutzfachliche Kriterien berücksichtigt werden. Ökonomisch

und ökologisch sinnvoll ist die Konzentration der Windkraftanlagen auf geeigneten Standorten.

Nur bedingt geeignete Standorte sollten nicht genutzt werden. Als Instrument des Vorteils-/Nachteilsausgleichs

bieten sich kommunale Solidarpakte an, an denen sich auch der Staatswald beteiligen sollte.

These 8

Im Zuge der naturnahen Waldbewirtschaftung werden die Laubholzanteile im Kommunalwald erheblich

steigen. Die Absatzmöglichkeit für diese Hölzer ist aber im Vergleich zum Nadelholz derzeit noch

deutlich eingeschränkt. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit heimischer Forstbetriebe müssen

daher die Verwendungsmöglichkeiten von Laubholz weiterentwickelt werden.

Begründung:

Deutschland wäre von Natur aus überwiegend ein Laubwaldgebiet. Andererseits nehmen Nadelholzsortimente

derzeit noch den mit Abstand größten Anteil im Sortiment des holzverarbeitenden Gewerbes

ein. Insbesondere im Bereich des Bauholzes ist aktuell ein Ersatz des Nadelholzes durch Laubholz nicht

ohne weiteres möglich. Sowohl Kommunen als auch der Naturschutz halten die Weiterentwicklung der

Verarbeitungs- und Verwendungsmöglichkeiten von Laubholz daher für dringend geboten, damit

Laubholz in Zukunft auch im konstruktiven Bereich eine breite Anwendung findet. Dies erfordert

sowohl von der Bundesregierung als auch von den holzverarbeitenden Unternehmen größere Bemühungen

im Bereich der Forschung und Entwicklung für Laubholzprodukte.

NABU Bundesgeschäftsstelle Cha

Das Thesenpapier entstand im Rahmen des Projektes „Zukunft gestalten

im Kommunalwald“. Dieses wurde gefördert durch das Bundesamt für

Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz

und Reaktorsicherheit.“

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